Erfolg durch Vernetzung

Halle hat seit Jahren leider nur die Hälfte der Gewerbesteuereinnahmen der Landeshauptstadt Magdeburg. In 2017 waren es 108 Mio in Magdeburg und magere 57,7 Mio in Halle. Beide Städte sind ungefähr gleich groß mit gleichen Startbedingungen nach der Wende. Halle muss aufholen. Bezieht man in diese Betrachtung die Stadt Dessau-Roßlau mit ein und nimmt aufgrund der unterschiedlichen Größe hier einen pro-Kopf-Vergleich der Gewerbesteuereinnahmen, zeichnet das ein noch deutlicheres Bild: Im ersten Quartal für 2018 weist die Statistik pro Kopf-Einnahmen in Magdeburg: 104,61 Euro, in Dessau: 90,88 Euro und in Halle: 56,57 Euro aus. Es nützt nichts, die Stadt immer als Opfer von Magdeburger Entscheidungen darzustellen. Das hilft niemandem. Wer beim Vorwärtsgehen immer nach hinten schaut, wird irgendwann zwangsläufig hinfallen. Wir müssen uns auf unsere Stärken besinnen und nicht Energie darauf verschwenden, zu fragen, was wäre wenn…

Halle darf sich nicht selbst isolieren, sondern muss sich als Bestandteil einer Region verstehen. Ich werde abgebrochene oder eingeschlafene Beziehungen sowohl in die Landeshauptstadt, als auch nach Berlin und in den Saalekreis wiederbeleben und neue Beziehungen aufbauen. Dazu braucht es einen Oberbürgermeister, der in der Lage ist, mit den Partnern auch auf Augenhöhe zu kommunizieren und eine positive Verbindlichkeit herzustellen.

Aktuelle Ansiedlungen rund um Halle finden hauptsächlich im Logistik- und Callcenter-Bereich statt. Das schafft eine gute Menge an Arbeitsplätzen, jedoch hauptsächlich im niedrigeren Lohnbereich. Dies wird auf Dauer Auswirkungen auf das soziale Gefüge der Stadt haben. Halle braucht hochwertige Jobs. Das Potential von Universität und außeruniversitären Einrichtungen muss viel besser genutzt werden. Das Gründungsgeschehen auf dem Weinbergcampus ist enorm. Das kreative Potential an jungen Menschen durch Universität und Burg muss unbedingt in der Stadt gehalten werden. Dazu müssen bessere und unkomplizierte Startbedingungen für Gründungen geschaffen werden. Dazu gehören echte Co-Working Möglichkeiten, Breitbandausbau, Verzicht auf Steuer- und Dokumentationspflichten in der Gründungsphase. Halle kann zur Modellregion in diesem Bereich gemacht werden. Das muss ein starker Oberbürgermeister aushandeln.

Die Lebensqualität in Halle ist sehr gut. Es gibt Kitas, Schulen, ein großes kulturelles Angebot, gutes Wohnen und viel Natur. Die Attraktivität für High Potentials ist vorhanden. Sie müssen gezielt auf Halle aufmerksam gemacht werden und man muss sich um sie kümmern. Ich denke auch an Unterstützung bei der Suche nach Gewerberäumen, Übersicht über Breitbandversorgung im jeweiligen Gebiet, kurze Wege zur Stadtverwaltung (Bauamt, Gewerbeaufsicht, …) Das müssen Dienstleistungen der Wirtschaftsförderung sein. Investoren und Gründungswillige sollen nicht zehn Stellen anlaufen müssen, wo sie Flyer kriegen, in denen alles steht und sie sich durcharbeiten müssen, sondern es muss tatsächlich eine Startbegleitung durch die Stadt erfolgen. Ansiedlung von produzierendem Gewerbe in Größenordnungen ist eher unwahrscheinlich. Die Zukunft von Halle liegt im Mittelstand und in innovativen Gründungsideen.